Junge Frau mit Katze

Dröscher, Daniela


Roman

Kiepenheuer & Witsch, 2025
ISBN: 978-3-462-00761-9
313 S.



Darum geht's
: Nach ihrem Roman "Lügen über meine Mutter" erzählt Daniela Dröscher die Geschichte von Ela, die mittlerweile erwachsen ist, weiter. Ela ist Doktorandin im Fach Literaturwissenschaft. Sie steht kurz vor der Promotion und ihr wird eine Stelle an der Universität in Aussicht gestellt, wenn sie mi summa cum laude abschließt. Der Druck, der auf ihr lastet, ist also enorm, was sie an ihre eigene körperlichen Grenzen bringt. Wenige Woche vor der Promotion bricht ihr Körper völlig zusammen. Die Krankheitssymptome verändern sich, werden aber nicht weniger und knocken sie komplett aus. Damit einher geht eine Serie an Terminen in unterschiedlichen Ordinationen und bei Ärzt:innen verschiedenster Fachrichtungen. Immer wieder stellt sich die Protagonistin, aber auch ihr Umfeld und schließlich die Lesenden die Frage: Reagiert sie über oder liegt gesundheitlich alles im Argen bei ihr? 

Bei der Ursachenforschung stößt Ela immer wieder an die Grenzen des Gesundheitssystems, wird teilweise nicht verstanden, nicht ernst genommen oder noch mehr verunsichert. Zusätzlich beginnt sich, ihr Leben und auch ihre Beziehungen zu reflektieren. Allen vor an ihr Verhältnis zu ihrer Familie und fragt sich, wie sich auch das auf ihre körperliche Gesundheit auswirkt. Schließlich hinterfragt Ela ihr ganzes Leben und erkennt, dass sie einige weitreichende Veränderungen vornehmen muss, um wieder gesund zu werden. 

"Ich war müde. Natürlich war ich das, Müdigkeit war zu einem Dauerzustand geworden." (S. 136)

So geht's mir dabei: Um ehrlich zu sein, fiel es mir gar nicht so leicht, mich voll und ganz auf die Geschichte einzulassen. Ich habe gemerkt, wie ich die Geduld verliere, weil ständig neue Beschwerden auf die Protagonistin zukamen. Dabei bin ich reflektiert genug, um zu erkennen, dass ich damit ebenso zu diesem System und dieser leistungsorientieren Gesellschaft zähle, auf die Dröscher in ihrem Buch aufmerksam machen möchte. 

Für mich waren auch nicht alle Aspekte der Protagonistin nachvollziehbar, was durchgängig zu einer Distanziertheit ihr gegenüber führte. Stellenweise hat mich die Geschichte auch ein wenig verloren und es gab Ereignisse, die mir sehr fragwürdig erschienen. Nachdem dieses wie auch das Vorgängerbuch viele autofiktionale Elemente in sich tragen, gilt der Autorin aber dennoch meine Bewunderung für diese Art der Aufarbeitung. Das stelle ich mir unheimlich schwer vor und finde es dadurch umso stärker. 

Was mir sehr gut gefallen hat, sind die Beobachtungen, Analysen und Reflektionen zwischen den Kapiteln, die es auch bei "Lügen über meine Mutter" schon gab. Insgesamt konnte mich das Buch nicht ganz so überzeugen, wie "Lügen über meine Mutter", aber es gibt zahlreiche lobende Rezensionen dazu, darum mache dir am besten dein eigenes Bild. 

Geht's kurz und knapp? Der Schreibstil von Daniela Dröscher ist gut, wenn auch hier angesichts der schwere der Themen teilweise zu "fröhlich-fluffig-leicht", denn die Geschichte ist sehr intensiv. 



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