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Den eigenen Weg finden

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Somekh, Simone Weitwinkel
Darum geht's: Ezra Kramer wächst in einer ultraorthodoxen jüdischen Gemeinde auf. Seine Eltern sind in ihren 20igern zum jüdischen Glauben konvertiert und halten sich strikt an alle Regeln, um in der Gesellschaft aufgenommen und akzeptiert zu werden. Das Glück, dass Gott ihnen endlich einen Sohn geschenkt hat, wird schon bald getrübt, als sie merken, dass Ezra gegen diese Konventionen auflehnt. 
In ihm schlummert ein künstlerisches Talent und vor allem ein wacher Geist. Er hinterfragt Dinge, bevor er sie für gut befindet. Er schaltet sein eigenes Bauchgefühl ein und vertraut diesem, wenn es ihm bedeutet, dass in der Gemeinde Unrecht geschieht. 
Je älter er wird, um so mehr lehnt er die strengen Regeln der Glaubensgemeinschaft ab und sucht seinen eigenen Weg. Dabei verleugnet er nicht den jüdischen Glauben. Er will diesen nur freier leben als dies seine Eltern machen. Natürlich bereitet das seinen Eltern und der ganzen Gemeinde großen Kummer. Als er sich d…

Wenn in den Bergen die Luft zum Atmen fehlt

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Stoifberg, Niko. Dort
Darum geht's: Sebi sieht eine Frau, Lydia, die ihn auf der Stelle fasziniert. Ihn trifft es, wie ein Blitz. Er muss diese Frau kennen lernen. Ohne recht zu wissen, was er selbst vor hat, geht er ihr und dem kleinen Kind an ihrer Seite fürs Erste einfach nach. In der Hoffnung, dass sich eine Gelegenheit ergibt, bei der er sie ansprechen kann. Diese Gelegenheit will sich aber nicht so recht ergeben, bis sie mit dem kleinen Jungen am See ist, einen Schwan füttert und ihr Handy läutet. Da kommt ihm die absurde Idee, das Kind in den See zu stoßen, um es dann zu retten und vor ihr als "Held" dazustehen.  "Der Kleine schaut mich fragend an, greift nach dem Brot, und ich nach ihm. Ich fasse ihn um seinen Bauch und stoße ihn vom Mauerrand. Er klatscht auf - leiser als erwartet. Weder hat der Bub geschrien, noch hat sie sich umgedreht, noch kann ich sehen, was sich vor der Mauer unter mir abspielt." (S. 18) Und nun geht alles schief. Die Rettungsakt…

Ein Teenager inmitten der Waffen

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Clement, Jennifer
Gun Love
Darum geht's: Eine 14 jährige wächst in einer Wohnwagensiedlung auf. Sie lebt dort mit ihrer Mutter in einem Auto. Die Mutter, Margot, eigentlich aus einer sehr wohlhabenden Familie, hat ihren Eltern ihre Schwangerschaft, ja sogar die Geburt des Babys verschwiegen und ist von zu Hause weggerannt. Beinahe mittellos findet sie die vorübergehende Bleibe in einem Ford Mercury. Aus "vorübergehend" werden 14 Jahre. Das Mädchen, Pearl, erzählt in Gun Love von ihrem Leben mit ihrer Mutter, die sie verehrt, die ihr Ein und Alles ist. Ihre Mutter besitzt die besondere Fähigkeit in das Innere der Menschen zu sehen.
"And she could see into me too. Once she said, Baby, Pearl, don't love me so much. I'm not worth it." (S.24)
Selbst eine begnadete Pianistin, drückt sie sich immer wieder in Songs und Songtexten aus. Das Leben in dem 'Trailerpark' wird bestimmt von einem zwar sehr ärmlichen aber abgesehen davon, von einem recht normalen…

Die Angst vor dem Fremden

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Grond, Walter Sommer ohne Abschied
Darum geht's: Ein Paar zieht mit seinen 2 Kindern von Wien in eine Kleinstadt in der Provinz.  "In der Großstadt war uns alles zu viel und zu schnell und zu unübersichtlich geworden." S. 13 Obwohl Alex und seine Frau versuchen, sich in das Leben der Kleinstadt zu involvieren und mit den Bewohnern in Kontakt zu treten, werden sie von allen erst einmal argwöhnisch betrachtet und ausgeschlossen. Ohne Umschweife wird ihnen verdeutlicht, wie wenig willkommen sie hier sind. Einzig Roland, eine nicht wenig bedeutende Person in diesem Ort, findet Alex interessant und es entwickelt sich so etwas wie eine Freundschaft. Auch die Frauen der beiden kommen sich langsam näher. "Meine Frau begann öfter nach Wien zu fahren, auch mit Therese abends auszugehen, und schloss sich schließlich einer kleinen Frauenrunde an, die wöchentlich in einem anderen Haus ein Abendessen zelebrierte und, wie es hieß, Frauendinge besprach." S. 61 Bis dahin hatten…

Wenn der Tod eine Geschichte erzählt

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Zusak, Markus
Die Bücherdiebin
Darum geht's: Die Geschichte von Liesel Meminger führt uns nach Molching, einem kleinen Vorort von München, zur Zeit des zweiten Weltkrieges. Liesel kommt hier zu Pflegeeltern. Geplant war, dass sie und ihr Bruder Werner zu Hans und Rosa Hubermann kommen, doch Werner stirbt auf der Fahrt dorthin. Das 9 jährige Mädchen wird alleine bei den Hubermanns abgegeben, in der Hoffnung, hier ein gutes Leben zu haben. Sie baut eine Beziehung zu ihren Pflegeeltern auf, die sie auch bald 'Mama' und 'Papa' nennt. Ihr Papa sitzt jede Nacht stundenlang bei ihr, um sie nach ihren Albträumen zu trösten und ihr Halt zu geben.
Mit den Nachbarskindern freundet sie sich schnell an und Rudi Steiner wird ihr bester Freund. In dem kleinen Dorf führt sie soweit kein schlechtes Leben. Doch der Krieg dauert an und es wird immer härter. Ihre Pflegeeltern verlieren immer mehr Teile ihres ohnehin bescheidenen Einkommens und die Rationierungen werden immer mehr. Bald…

Am Telefon durch die Nacht

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Aichner, Bernhard
Kaschmirgefühl
Ein kleiner Roman über die Liebe

Darum geht's: Ein Mann ruft bei einer Sex-Hotline an. Er will von der Dame am anderen Ende aber nicht, was man erwarten würde. Er will nur mit ihr reden, sie kennen lernen. Er will, dass sie ihm zuhört, wenn er aus seinem Leben berichtet und möchte im Gegenzug gerne mehr von ihr erfahren. Dabei gibt er sich mit ihren Antworten stets erst zufrieden, wenn er das Gefühl hat, von ihr die Wahrheit zu erfahren. Welche seiner oder ihrer Worte wirklich wahr sind, bleibt dennoch offen, da es schließlich für niemanden überprüfbar ist. An der Stimmlage erkennt man es aber doch immer wieder, wie es scheint. Durch die Reaktionen und Interaktionen während des langen Gespräches, lernen sich die beiden tatsächlich näher kennen und fühlen sich zunehmend zueinander hingezogen.

So geht's mir dabei:
- Ich mag Dialogromane sehr gerne. Die lesen sich so flüssig.
- Also hat dir mein Roman gefallen?
- Ja. Er war nett.
- Klingt ja begeiste…

Mir fehlen die Worte

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Fallwickl, Mareike
Dunkelgrün fast schwarz
Wenn man einen Blog schreibt, einem aber die Worte ausgehen, wird's schwierig. Aber tief durchatmen und los geht's:
Darum geht's: Es geht um die Beziehung zwischen Moritz und Raffael. Und um Moritz' Mutter Marie, die dieser Freundschaft von Beginn an nichts Gutes abgewinnen kann und hin und her gerissen ist, zwischen Reden und Schweigen, zwischen Anklagen und Verharmlosen. Als Moritz und Raffael sich kennen lernen sind sie Kleinkinder, keine 4 Jahre alt. Marie durchschaut die Durchtriebenheit von Raffael sofort, nimmt ihre Wahrnehmungen aber selbst nicht ganz ernst und weiß ohnehin nicht, wie sie darauf reagieren könnte. Als sie sich sicher ist, dass sie immer schon recht hatte mit ihrer Meinung über Raffael, ist es schließlich zu spät. Die Buben sind seit Jahren befreundet und Moritz entkommt den Fängen seines vermeintlichen Freundes nicht. Sie sind bereits Teenager, als Johanna ins Spiel kommt. Ein Mädchen, das ihre Eltern ve…