Der tanzende Berg

Hager, Elisabeth R. 

Roman

Klett-Cotta Verlag, 2022
978-3-608-98488-0
255 S. 


Darum geht's:
 Marie Scheringer hatte dem kleinen Dorf im Tiroler Unterland eigentlich bereits den Rücken gekehrt und ist nach Wien gegangen. Doch aus Gründen ist sie schließlich wieder hier und das ausgerechnet als Nachfolgerin ihres verstorbenen Onkels, der als Tierpräparator gearbeitet hat. Als wäre das ein Beruf für eine junge Frau. (😩) Kein Wunder, dass sie von den Jägern aus der Umgebung nicht ernst genommen wird und meist nur kleine Wolpertinger ausstopft, an denen sie nicht wirklich gut verdient. Doch plötzlich kommt ein lukrativer Auftrag, der zwar ob der Zeitknappheit schwer umzusetzen ist, Marie aber dennoch reizt. 12 Stunden hat sie Zeit, um das Schoßhündchen einer reichen Hoteliers-Tochter auszustopfen, das ihr der Vater um Mitternacht als Geburtstagsgeschenk überreichen möchte. Tante Hella hilft, so gut sie kann und schaut, dass Marie den Auftrag wirklich fertigstellt. Dabei gerät die betagte Frau, die Marie wie eine Mutter groß gezogen hat, beinahe an ihre eigenen Grenzen. 

Erschwerend kommt hinzu, dass plötzlich Ursula, "die Butz" genannt, vor der Tür steht. Ebenfalls eine ehemalige Dorfbewohnerin, die es hierher zurück verschlagen hat und die es nicht schafft, die Brücken zu ihrer Heimat gänzlich einzureißen. Marie hat sie so lange nicht gesehen, dass sie sich beinahe nicht mehr an ihre ehemalige Schulkollegin erinnert hätte. Da geht es der Butz ganz anders, denn Youni, Maries kürzlich verstorbener Freund, stand in engem Kontakt zur Butz und diese weiß deshalb über die Verbindung zwischen Youni und Marie Bescheid. Sehr zu Maries Verwunderung...

"'Ich hab doch auch keinen zum Reden! Kriegt ja keiner das Maul auf! Oder mit wem redest du ab, dass der Youni gestorben ist?'
Der Name traf Marie wie ein Fausthieb. Sie gefror mitten in der Bewegung, überlegte. Was hatte Ursula mit ihrem Youni zu tun gehabt? Und warum abreden?" (S. 91)  

So geht's mir dabei: Elisabeth R. Hager schreibt ganz genau so, wie ich Geschichten gerne lese. Ich war von ihrem Roman "5 Tage im Mai" bereits so begeistert, dass ich es kaum erwarten konnte, ihr neues Buch in Händen zu halten und ich wurde nicht enttäuscht. Dass mir die Romane der Autorin so gut gefallen liegt wohl weniger daran, dass ich Tirolerin bin, sondern umso mehr daran, dass ich Literatur liebe. Obwohl mich Szenen, wie die in der Almhütte, in der ein Kotzbrocken den Mund weiter aufreißt als der andere, natürlich schon arg triggern. 

Die schonungslose Ehrlichkeit, mit der Elisabeth R. Hager Szenen und Schauplätze des dörflichen Tiroler Lebens beschreibt, finde ich beachtlich. Vermutlich muss man die Orte tatsächlich für eine Zeit verlassen, um so klar sehen zu können. Schön ist, dass trotz allem, was es daran zu kritisieren, wenn nicht zu verachten gibt, immer auch ganz deutlich die tiefe Verbundenheit mit der Heimat durchsickert. Die Schönheit der Landschaft. Das Imposante der Bergwelt. Die Prägung, die all das mitunter auch hinterlässt. 

Was diesen Roman aber so einzigartig macht, sind meiner Meinung nach die besonderen Figuren. Im Grunde lernt man in dem Buch eine ganze Reihe von Außenseiter*innen kennen. Das Schöne ist, dass sich aber keine*r davon verbiegt, um "dazuzugehören". Alle bleiben ihrem eigenen Selbst treu. Sei es Marie, Tante Hella, die Butz, Youni und auch der alte Einsiedler aus den Bergen, der die beiden Frauen schließlich mit seinem Traktor rettet. Die Einzigartigkeit des Individuums wird damit klar unterstrichen. Eine wundervolle Message. Eine wichtige Message. Gerade für kleine Dörfer. 

Geht's kurz und knapp? Es ist eine ganz besonders einzigartige Geschichte. Unbedingt und absolut lesenswert. Nicht nur für Tiroler*innen. ;-) 

Hier kannst du das Buch direkt bei der Tyrolia Buchhandlung bestellen. (Versankostenfreie Lieferung innerhalb von Österreich.) Damit unterstützt du den stationären Buchhandel und auch meinen Blog. Danke dafür. 

Ich bedanke mich herzlich bei der Autorin und beim Klett-Cotta Verlag für das Rezensionsexemplar. 

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