Der Koch

Suter, Martin

Roman
Diogenes Verlag, 2011
ISBN: 978-3-257-23999-7
311 S.


Darum geht's: Maravan ist ein Asylwerber aus Sri Lanka, der in der Schweiz wohnt und in einem Züricher Sternelokal als Hilfskraft mitarbeitet. Die Aufgaben, die ihm hier zuteil werden, liegen tief unter seinem Niveau, ist er doch selbst ein begnadeter Koch. Bereits als Kind hat er alles von seiner Tante Nangay gelernt, was es über die indischen Küche zu wissen gibt.

Seine Arbeitskollegin Andrea erkennt, dass in ihm mehr steckt, als nur die Hilfsdienste der Küche zu verrichten. Obwohl sie selten mit dem Rest der Angestellten redet, steht sie in einer ungerechten Situation für ihn ein, was zu einem Date in Maravans Wohnung führt. An diesem Abend kocht er ein aphrodisierendes Menü für Andrea und nicht nur er, sondern vor allem sie ist überrascht, über die intensive Wirkung der Speisen. Daraus entwickelt sich eine Geschäftsidee, die ihnen umso gelegener kommt, als die beiden ihre Arbeit wenige Tage später verlieren. 

In Zusammenarbeit mit einer Paartherapeutin kochen sie so genannte "Liebesmenüs", dank derer die Paare wieder zueinander finden sollen. Auch wenn sich Maravan nicht selbstständig machen darf, weil er ein Asylwerber ist, funktioniert diese Idee anfangs nicht schlecht. Doch plötzlich kommen auch Anfragen an "Love food", wie sie ihren Cateringservice nennen, die nicht Eheleute betreffen und das ganze nimmt zwielichtige Auswüchse an. Maravan, der klare Wertevorstellungen besitzt, ist damit ganz und gar nicht einverstanden und das Projekt beginnt zu wackeln. 

"Das Essen heute Abend war eine Hommage an die Frau, der er alles zu verdanken hatte. Er wollte, wenigstens heute, ihre Kunst nicht missbrauchen für etwas, das sie nie gebilligt hätte.

Die ganze Zeit über lagen Curryblätter und Zimt im heißen Kokosöl und erfüllten die ganze Wohnung mit dem Duft seiner Jugend. Zum Andenken an Nangay." (S. 217)


So geht's mir dabei: Allein der oben beschriebene Plot würde für eine Geschichte reichen, möchte man meinen. Doch Martin Suter verpackt darin außerdem noch die Wirtschaftskrise und den Börsencrash der Lehman Brothers von 2009 und deren Folgen, den Bürgerkrieg in Sri Lanka, die Wahl von Barack Obama, Themen wie Flucht und Migration und nicht zuletzt eine Liebesgeschichte. 

Stellenweise war mir das Buch zu langatmig aber insgesamt hat es mir gut gefallen und ich mochte die Sprache von Martin Suter sehr. Auch wenn ich teilweise aus dem Kopfschütteln und Augenverdrehen gar nicht mehr herausgefunden habe, ob der Rollenklischees, die hier permanent bedient werden. 

Auf jeden Fall ist es eine sehr interessante Geschichte, mit einer absolut eigenwilligen Geschäftsidee. Hungrig sollte man nicht unbedingt sein, wenn man das Buch liest. Es wird wirklich sehr detailliert beschrieben, was Maravan kocht und vor allem, wie es schmeckt. Zu gern hätte ich eine dieser Speisen einmal probiert. Die Geschichte um Maravan, seine Werte, seine Vergangenheit, seine Heimat, seine Familie fand ich sehr berührend und bin dankbar für die Einblicke, die ich hier erhalten durfte. Im Gegensatz dazu haben mich die Einblicke, die ich in die Geschäftswelt (das beschränkt sich leider bei weitem nicht auf die Schweiz) mehr und mehr angeekelt und abgestoßen. Genauso wie die Einblicke in die Werte, Familien usw. usw. der Geschäftsmänner. 

Geht's kurz und knapp? Diese Geschichte ist wirklich so ganz anders, als das, was man sonst so liest. 


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