Kindheit

Ditlevsen, Tove

Roman

1. Teil der Kopenhagen-Triologie

Aus dem Dänischen und mit einem Nachwort von 
Ursel Allenstein

Aufbau Verlag, Februar 2021
120 S. 




Darum geht's: Im ersten von drei Teilen erzählt die Autorin Tove Ditlevsen von ihrer eigenen Kindheit in Kopenhagen in den 1920er Jahren. Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Ihr Vater hat seine Anstellung verloren, zu dem älteren Bruder hat sie kein sonderlich inniges Verhältnis, mit der Kälte ihrer Mama hat sie oft zu kämpfen. Erst als sie ihre Kindheit fast hinter sich gelassen und jegliche Erwartungshaltung der Mutter gegenüber abgelegt hat, erkennt sie...

"Ich muss daran denken, dass es einmal die wichtigste Frage auf der Welt für mich war, ob meine Mutter mich mochte, aber das Kind, das diese Liebe so heftig begehrte und immer nach Zeichen dafür ausspähte, existiert nicht mehr. Inzwischen glaube ich, dass meine Mutter mich gernhat, aber es macht mich nicht glücklich." (S. 111)
Schon immer verspürt sie eine innige Sehnsucht danach, zu schreiben. Sie verfasst Gedichte, die sprachlich und inhaltlich so außerordentlich sind, dass ihr Bruder ihr unterstellt, sie lüge, als er ihr Büchlein einmal findet und aufschlägt. Sie versteckt dieses Büchlein, das ihr wichtigstes Hab und Gut ist, vor der Welt, denn es gibt niemanden, mit dem sie diese Gedanken teilen kann. Nicht einmal mit ihrer Großmutter, die die Worte zu vulgär finden würde, zu der sie ansonsten ein herzliches Verhältnis hat. Dieses hat sie übrigens auch zu ihrem Vater, der sie manchmal besser zu verstehen scheint, als die Mutter, der aber dennoch nicht bereit ist, einzusehen, dass ein Mädchen auf ein Gymnasium gehen und einen Beruf lernen soll. 

"Trotzdem frage ich ohne große Hoffnungen meinen Vater, der mit einer merkwürdigen Empörung darauf reagiert und abfällig über Emanzen und weibliche Abiturientinnen spricht, die hässlich und eingebildet seien." (S. 90)
Stattdessen soll Tove eine Stelle in einem Haushalt annehmen, in dem es richtig viel zu tun gibt. So eine Stelle bekommt sie nach ihrer Konfirmation und schließlich ist ihr Kindheit endgültig vorbei. 

So geht's mir dabei: Die Kindheit der Autorin war keine sehr glückliche. Was sie daraus macht und vor allem, wie stark ihr Drang ist, zu schreiben und Worte für ihr Gefühlswelt zu finden, hat mich fasziniert. Sie kann einfach nicht anders, als zu schreiben und das in einer wundervollen Sprache. Davon konnte sie auch eine Welt nicht abhalten, in der Frauen, die nach Bildung strebten, sofort abfällig als Emanzen bezeichnet wurden. 

Die Übersetzerin erzählt in einem interessanten Nachwort mehr über diese interessante Autorin, die in Dänemark längst berühmt geworden ist. Ich kannte sie bislang nicht und finde es sehr spannend, dank ihrer autobiografischen Erzählungen mehr über diese Frau zu erfahren, die ihrer Zeit voraus war und darunter wohl ihr Leben lang gelitten hatte. 

Ich hätte es besser gefunden, wenn die 3 Bände in einem erschienen wären, zumal sie erstens sehr dünn sind und ohnehin zeitgleich auf den Markt kamen. Das ist allerdings auch schon die einige Kritik und die geht an den Verlag und nicht an die Autorin. 

Geht's kurz und knapp? Ein sehr gutes Buch. Es ist nicht umsonst ein Hype auf social media um dieses Buch. Band 2 und 3 habe ich heute bei der Tyrolia bestellt und freue mich schon auf die weiteren Lebensabschnitte von Tove Ditlevsen. 

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