Writers & Lovers

King, Lily.


Roman

C.H. Beck Verlag, Juli 2020

ISBN: 978-3-406-75698-6

319 S. 



Darum geht's: Casey ist Anfang 30, Schriftstellerin, Single, hat vor Kurzem ihre Mama verloren, steht vor einem unglaublichen Schuldenberg und wohnt in einem winzigen Zimmer, das man sich nur als Loch vorstellen kann. Um irgendwie über die Runden zu kommen, arbeitet sie als Kellnerin in dem vollen Bewusstsein, damit niemals ihre Schulden aus den Studienkrediten begleichen zu können. Die einzige Konstante in ihrem Leben ist das Schreiben. Seit sechs Jahren arbeitet sie bereits an ihrem Roman, nun ist sie kurz vor dessen Fertigstellung. Das Schreiben ist der tägliche Lichtblick in ihrem Leben. 

Lukas hat sie verlassen, was sie noch nicht richtig überwunden hat, mit Oscar, einem bekannten und erfolgreichen Schriftsteller, der eines Abends Gast in dem Restaurant ist, in dem sie kellnert, bahnt sich etwas an. Ebenso mit Silas, der auch schreibt, aber noch kein Buch veröffentlicht hat. Zu Silas fühlt sie sich hingezogen, dieser ist aber zurückhaltend. Oscar wiederum umwirbt sie mehr, Casey ist sich aber nicht ganz sicher, welche Gefühle sie für ihn hat. 

Die Arbeit als Kellnerin verlangt ihr alles ab, die meisten ihrer Kolleg:innen sind unsympathisch und der Chef ist ein Arschloch. Ihr Vermieter ist ebenfalls alles andere als nett oder zumindest respektvoll ihr gegenüber. Zu ihrem Vater hat sie so gut wie gar keinen Kontakt mehr, nachdem dieser als Lehrer von einer Schule gehen musste, weil er in die Mädchen-Umkleidekabine spannte. Außerdem vermisst sie ihre Mama sehr, die im vergangenen Winter während einer Reise ums Leben gekommen ist. Alles in allem ist sie emotional ziemlich angeschlagen, hat Panikattacken, so gut wie gar kein Selbstvertrauen und weiß nicht, wie sie ihr Leben in den Griff bekommen soll. 

"In zwanzig Minuten holt Silas mich ab, darum bleibt mir keine Zeit, mich hineinzusteigern. Ich springe unter die Dusche, aber als ich herauskomme, ist meine Nase noch immer gerötet vom Fahrtwind. Zum Ausgleich übertreibe ich es mit dem Puder und suche dann eine saubere Bluse, von der ich mit ziemlicher Sicherheit annehmen kann, dass mich Silas nicht schon auf der Party darin gesehen hat. Der Party für Oscar. Der damals allerdings noch nicht Oscar war, sondern der Autor, der nebenan Bücher signierte, die ich mir nicht leisten konnte." (S.114)

So geht's mir dabei: Puh. Dieses Buch. Also angenommen, ich hätte das Buch einfach aufgrund der vielen Lobeshymnen gelesen, wäre ich ein wenig enttäuscht, weil ich mir mehr erwarte, wenn ein Buch dermaßen gehypt wird. Dafür würde ich wiederum dem Hype selbst die Schuld geben, der immer diese Erwartungshaltung hervorruft, die die Bücher dann meist nicht erfüllen. Ich würde sagen, der Roman hat mir gut gefallen, die Autorin kann eindeutig gut schreiben und die Geschichte war gut, aber ich würde auch sagen, dass ich nicht verstehe, was genau dermaßen gut an der Story sein soll. Soweit so gut. 

Nun ist es allerdings so, dass ich weiß, dass Lily King mit diesem Roman ein Buch schreiben wollte, über den Alltag und die Hürden einer jungen weiblichen Autorin. Sie wollte den Roman schreiben, den sie selbst als junge Schriftstellerin gern gelesen hätte. Sie wollte die Höhen und Tiefen eines Schriftstellerinnenlebens darstellen, bevor der (erste) Roman veröffentlich ist. Aber das hat sie nicht getan. Auf diesen Aspekt der Geschichte habe ich mich wirklich gefreut. Aber das Schreiben, der Schreibprozess, die Gedanken beim Schreiben, die Hürden, die Blockaden und auch der Flow, kommen entweder gar nicht oder nur ganz nebensächlich vor. Ich weiß viel mehr von Casey der Kellnerin, von Casey auf der Suche nach einem Mann als von Casey, der Frau, die ein Buch schreibt. Dabei sollte dies hier doch genau anders herum sein. Jetzt sollte ich doch eigentlich wissen, was eine junge Schriftstellerin beim Schreibprozess so durchmacht. Dieser von ihr selbst auferlegte Anspruch wird meiner Meinung nach nicht erfüllt. 

Außerdem hat sie relativ unmotiviert einige feministische Standpunkte eingebaut. Da hatte ich das Gefühl, sie wollte diese Gedanken noch im Buch unterbringen und hat deshalb die ein oder andere Szene noch so ausgebaut, dass dieses oder jenes auch noch gesagt wird. 

Und: Achtung Spoiler....

Das Ende - oh come on!! Nach jahrelangem Kellnerinnen-Dasein wird sie von heute auf morgen Lehrerin, kommt mit Silas zusammen, verkauft ihren Roman zu unfassbaren Summen und alles wird nicht nur gut sondern perfekt und rosarot?? Also das passt doch wirklich nicht zum restlichen Roman??!! Ich bin wirklich ein Fan von Happy Ends. Aber das war sogar mir zuviel. Dass ihr Buch ein Erfolg wird, wäre doch Happy End genug gewesen und zumindest ein wenig glaubhafter. 

Von diesem Buch bleibt bei mir in erster Linie ein innerer Diskurs übrig. 

Wenn jemand ein Buch über eine Kellnerin lesen möchte, die auf der Suche nach der Liebe ist, dann wird es ihr oder ihm bestimmt gut gefallen. Das ist ein gut geschriebener Roman über dieses Thema. 

Wenn jemand das lesen möchte, was Lily King gern gelesen hätte, als sie jünger war, wird er oder sie wohl eher enttäuscht oder zumindest mit ein paar Fragezeichen zurückbleiben. 

Und...für alle, die das Buch schon kennen: Was hat sie sich nur bei der Szene mit Thomas Bernhard gedacht???? *kopfschüttel*

Geht's kurz und knapp: Ein Buch, das ich allen empfehlen kann, die eine Liebesgeschichte lesen möchten. 

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Ich danke dem C.H.Beck Verlag für das E-Lex.

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