Land in Sicht

Hartmann, Ilona


Roman

Blumenbar im Aufbau Verlag, 2020

ISBN: 978-3-351-05076-4

159 S. 



Darum geht's: Jana ist eine junge Frau, die ohne Vater aufgewachsen ist. Als ihr in einer Winternacht eine zufällige Barbekanntschaft erzählt, wie es war, mit 18 Jahren seinen Vater kennenzulernen, dass sich dabei eine Wunde geschlossen habe, von der gar nicht klar war, dass sie existiere, beginnt Jana, unruhig zu werden. Der Gedanke an diese Kennenlernsituation lässt sie nicht mehr los. Sie weiß nach dieser Erzählung, dass auch sie ihren Vater treffen will und findet heraus, dass dieser Milan heißt und der Kapitän eines Kreuzfahrtschiffes auf der Donau ist. Innerhalb weniger Monate verfestigt sich Janas Wunsch nach dem Gefühl, das sie haben wird, wenn sie mit ihrem Vater zusammentrifft. Also bucht sie eine Reise von Passau nach Wien auf der MS Mozart, um Milan nun tatsächlich zu sehen. Ob sie sich ihm zu erkennen geben wird, ist ihr vorerst selbst nicht klar. 

Die siebentägige Schifffahrt mit ca. 100 SeniorInnen hat sich Jana interessant und ganz lustig vorgestellt. In Wirklichkeit findet sie es dann eher seltsam und ein wenig beklemmend. Aber sie hält durch und führt auch einige Gespräche mit Kapitän Milan. Bei einem Landgang lädt der sie schließlich ein, mit ihr in eine Bar zu gehen, wo sie einiges über ihn und sein Leben erfährt. Dass sie seine Tochter ist, bringt sie während des Gesprächs nicht über die Lippen und sie ist sich auch nicht sicher, ob sie es ihm tatsächlich noch verraten wird…

„Es könnte durchaus passieren, denke ich mit einem Mal, dass ich keine Lust mehr habe. Also auf das alles, insgesamt. Es ist zu viel, und zwar von allem. Zu schön, zu schlimm, zu neu, zu krass, zu nah.“ (S. 99)

So geht’s mir dabei: Wow!! Was für ein grandioses Debüt von Ilona Hartmann. Schon eine Weile habe ich kein derart sprachgewaltiges Buch mehr gelesen. Ständig musste ich mir Zitate aus dem Buch notieren, weil die Autorin so pointiert schreibt, dass sie den Nagel immer wieder auf den Kopf trifft. Das ist auch der Grund, warum sie es schafft, auf knapp 160 Seiten alles zu sagen, was man über diese Geschichte wissen muss. Ausschweifungen hat sie nicht nötig. Man kennt Jana nach diesem Buch, man hat ihren Vater vor Augen, man weiß genau, wie es auf der MS Mozart ist und wer die Reise mit den beiden gemacht hat. 

Ein Buch über die Suche nach einem Teil der Familie, über eine Annäherung zwischen Vater und Tochter, über eine junge Frau auf der Suche nach den Wurzeln, die sie braucht, um ihre Freiheit leben zu können. 

Dank dem Sprachwitz von Ilona Hartmann gibt es viele Situationen, in denen man laut auflacht. Trotzdem wird hier nichts oberflächlich behandelt oder lächerlich gemacht. Die Autorin findet die perfekte Symbiose zwischen Witz, Charme und Empathie.

Geht's kurz und knapp? Ich bin von diesem Buch begeistert. Großes Lesevergnügen von einer österreichischen Autorin.

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