Frau im Dunkeln

Ferrante, Elena

Roman

Aus dem Italienischen von Anja Nattefort

Suhrkamp Verlag, 2019
187 S.

ISBN: 978-3-518-42870-2


Darum geht's: Eine Frau, Leda, Ende 40, verbringt einen Teil ihrer Ferien an einem Strand an der ionischen Küste Italiens. Leda, Universitätsprofessorin von Beruf, ist alleine, liest und arbeitet viel und beobachtet die Menschen in ihrer Umgebung. Vor allem eine laute, neapolitanische Familie. Sie schaut der jungen Mutter und ihrer kleinen Tochter zu, die Teil dieses Familienverbands sind und ist abwechselnd ergriffen und abgestoßen von der innigen Beziehung der beiden. Leda denkt durch den Anblick der beiden viel an die Zeit, in der sie selbst eine junge Mutter war.
An die schwierigen Jahre, in denen man sich als Mutter nur um die Kinder zu kümmern hat.
An die Momente der Verzweiflung, der Erschöpfung.
An das Gefühl der Selbstaufgabe und der gefühlten Selbstverleugnung.
Aber auch Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit kommen an die Oberfläche. Verletzungen und Verunsicherungen, die sie durch ihre eigene Mutter erfahren hat, die perfekt in diese neapolitanische Familie vor ihren Augen passen würde.

"Ich konnte mich nicht daran erinnern, dass ich je verschwunden war, mir waren andere Dinge im Gedächtnis geblieben. Ich hatte Angst, meine Mutter könnte sich verlaufen, ich lebte in der Sorge, sie nicht wiederzufinden. Aber ich konnte mich bis ins Detail daran erinnern, wie Bianca einmal verloren gegangen war. Ich rannte über den Strand wie jetzt Nina, nur trug ich noch die schreiende Marta auf dem Arm." S. 52
Aus diesem Gefühlswirrwarr, das in Leda durch den Anblick von Nina und ihrer Tochter Elena entsteht, heraus, tut sie etwas, das sie selbst nicht versteht. Etwas, das gravierende Folgen nach sich zieht. Etwas, wodurch die Familie zu zerbrechen droht. Etwas, das die frustrierte Nina an den Rand der Erschöpfung treibt. Und Leda sieht dabei zu, wird scheinbar zufällig in den Kreis der Familie gezogen und tut nichts, um das Leiden, das durch sie entstanden ist, zu stoppen.

So geht's mir dabei: Ach ich weiß nicht. Ich habe mir wirklich viel von dem Buch erwatet. (Das ist ja immer eine tolle Ausgangssituation. 🙈) Elena Ferrante wird von so vielen so sehr gelobt. Und ich verstehe das ja schon. Ihre Sprache ist wundervoll. Ihre Art zu erzählen, ist genau so eine, der ich gerne zuhören will. (Man merkt, ich lese mir die Bücher gedanklich immer vor. 😀)
Aber der Plot des Buches hat mich nicht überzeugt. Leda ist mir einfach zu viel. Oder zu wenig. Ich weiß noch immer nicht, ob sie eine hingebungsvolle und liebende Mutter ist, die alles für ihre Kinder tun will oder ob sie es bereut, Kinder bekommen zu haben.

Vielleicht bin ich ja auch in der ganz falschen Situation für so ein Buch. Ich habe selbst zwei kleine Kinder und ich weiß schon, wie anstrengend das alles sein kann und dass jetzt grad nicht die Zeit ist, um sich selbst an aller erste Stelle zu stellen. Aber ich weiß eben auch, wie viel Gutes diese Zeit mit sich bringt.

Ich habe davon gehört, dass es "regretting motherhood" gibt. Also dass man es bereut, Mutter geworden zu sein. Wenn ich es auch nicht nachvollziehen kann, so kann ich das zumindest glauben. Aber das ist es bei Leda ja auch irgendwie nicht. Mir ist das zu wenig greifbar. Ich kann dieses hin und her einfach nicht verstehen und mir wurde das auch zu wenig durchdacht vermittelt. Irgendwie ist in dieser Person von so vielen verschiedenen Ansätzen ein bisschen dabei. Das macht die Geschichte von Leda für mich einfach unrund und unglaubwürdig.

Und das Ende? Ge bitte. Nein, also das war nicht mein Buch.

Mir fällt auf, dass mir derzeit vermehrt Bücher in die Hände fallen, mit weiblichen Protagonisten, die fürchterliche Heulsusen sind und sich in ihrem Selbstmitleid suhlen. Vor allem, weil sie Kinder haben, um die sie sich kümmern sollten. Ich kann mit solchen Charakteren nicht wirklich viel anfangen. Da fallen dann auch meine Bewertungen immer schlecht aus.

Geht's kurz und knapp? Mich hat die Hauptfigur nicht überzeugt. Der Schreibstil von Elena Ferrante ist perfekt. Ich lese bestimmt noch weitere Bücher von ihr.

Neugierig, ob dir das Ende der Geschichte gefällt?

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Tyrolia

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