Der Mann, der seinem Gewissen folgte

Lewis, Janet

Roman

Mit einem Nachwort von Rainer Moritz

Aus dem Amerikanischen von Susanne Höbel

dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co.Kg, München, November 2019

268 S.

ISBN: 978-3-423-28190-4


Darum geht's: Eine wahre Begebenheit aus dem Jahre 1625. Ein Indizienprozess, der Jütland erschütterte.Ein herzensguter Pastor, der einen Mord begangen haben soll. Ein Racheakt. Und schließlich der Vollzug eines Todesurteils an einem Unschuldigen.

Pastor Sören Qvist ist dermaßen großherzig und gutmütig, dass sich mit seinem Namen letztlich Sprichworte entwickelt haben. So sagen die Menschen, die in Vejlby leben, noch Jahrzehnte nach dessen Tod "So gütig wie Sören Quist." oder "So großzügig wie Sören Qvist." (S. 12). Eine einzige Eigenschaft hatte er, die nicht lobenswert war. Er war jähzornig. Und als er Morten Bruus, dem unbeliebtesten, ungehobeltesten und fiesesten Bürger der Gemeinde eine Abfuhr erteilt, als dieser ihn um die Hand seiner Tochter bittet, setzt Morten genau diesen Jähzorn ein, um das Leben des Pastors, dessen Tochter und deren Verlobten zu zerstören.

Morten schickt seinen Bruder Niels zum Pastor, damit er in seinen Dienst tritt und den Pastor immer wieder reizt und ihn herausfordert. Und das gelingt ihm vorzüglich. Am Ende geht es so weit, dass der Pastor selbst glaubt, seinen Knecht umgebracht und nicht nur mit dem Spaten geschlagen zu haben. Also nimmt er die Verurteilung zum Tode an.

Niels aber, der dumme Knecht, war sich seiner Tat und des Plans seines Bruders bis zu seiner Rückkehr nach mehr als 20 Jahren nicht bewusst.

"Aber warum", hob der Bettler an, der den beiden still zugehört hatte und immer wieder von einem Zittern erfasst wurde, wie jemand mit Schüttelfrost, "warum", sagte er wieder, "hat der Pastor erlaubt, dass sie ihn hinrichten? Er wusste doch, dass er mich nicht umgebracht hatte." (S. 59)

So geht's mir dabei: Was für ein Buch!! Was für eine Geschichte!! Was für eine Sprache!! Warum warum warum nur, wurde dieses Buch, das im Original erstmals 1983 (!!!!!) erschienen ist, erst jetzt übersetzt?? Diese grandiose Autorin, die 1998 verstarb, hat ein Buch geschrieben, das einen nicht mehr loslässt und zwar in einer Sprache, die das schlechte Image von historischen Romanen zunichte macht, als wäre es immer schon ungerechtfertigt gewesen.

Ich weiß gar nicht, womit ich meine Lobeshymne beginnen soll. Die Konstruktion der Geschichte ist so unfassbar gut. Man weiß sofort, wie sie ausgehen wird und hält die Spannung trotzdem kaum aus. Bis zum Schluss hofft und bangt man mit den Geschehnissen rund um Pastor Sören Qvist und seinen Kindern, obwohl man weiß, dass alles Hoffen umsonst ist. Ich habe mir einige Male gedacht, dass es nicht möglich ist, dass nur noch so wenige Seiten zu lesen sind, bei allem, was meiner Meinung nach noch passieren müsste. Und seit das Buch ausgelesen ist, lässt es mich emotional nicht los.

Ich möchte hier gern von einem Meisterwerk sprechen, das so viele Genres vereint, dass ich gar nicht weiß, wem es nicht gefallen könnte. Es ist spannend, es ist eine Familiengeschichte, es ist historisch, es ist wahr, es ist aktuell, es ist menschlich, es ist stilistisch unglaublich gut, es ist was es ist. Ein wirklich, wirklich gutes Buch und ein unbedingtes Highlight in meinem aufregenden Lesejahr.

Geht's kurz und knapp? Nein. Lies die gesamte Rezension durch und dann kauf dir dieses Buch. 😉😉😉

Vielen Dank liebe Tyrolia Buchhandlung Innsbruck für dieses tolle Wichtelgeschenk. 

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Tyrolia

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