Worüber wir schweigen

Kastel, Michaela


Thriller

Emons Verlag
Oktober 2019

319 S.

ISBN: 978-3-7408-0643-9



Darum geht's: Nina kehrt nach 12 Jahren in ihren Heimatort zurück. Sie ist damals, im Sommer nach der Matura, mehr oder weniger abgehauen, um in Wien ein eigenständiges Leben zu beginnen. Ohne Verabschiedung hat sie Mel und die Nachbarsjungen Tobias und Dominik verlassen. Sie waren so etwas wie eine Clique. Tobias ist der kleine Bruder von Dominik, Mels erster großer Liebe. Tobias ist vom ersten Tag, als er die Schule betritt, in Nina verliebt. Mel und Nina sind seit Kindertagen beste Freundinnen. Mel hängt sehr an Nina. Diese sucht permanent ein Ventil, um ihre Frustration, die sie seit Anbeginn in ihrem Elternhaus erlebt, loszuwerden. Ihre Mutter ist Drogenabhängig - ein Junkie, wie sie selbst sagt - und oft nicht ansprechbar. Ihr Vater ist vage bemüht, dringt aber nicht zu dem Mädchen durch und flieht seinerseits in eine Affäre mit der Nachbarin, die ihn irgendwie über Wasser haltet. Nina kompensiert die fehlende Liebe und Zuneigung ihrer Eltern mit einer scheinbaren Stärke und Überheblichkeit, die sie ihren Mitschülern gegenüber an den Tag legt. Sie ist eine sehr gute Sportlerin, reagiert sich hier immer wieder ab. Außerdem beginnt sie schon sehr früh mit wechselnden Bettgeschichten mit Jungs, benützt sie, wird von ihnen benützt. Sie scheint abgestumpft, manipulativ und unsympatisch. Das komplette Gegenteil zur schüchternen, höflichen, liebenswürdigen Mel, die an die wahre Liebe glaubt.

"'Jetzt brauchst du keine Angst mehr zu haben, Mel. Denn egal, was passiert, ich bin immer für dich da. Wir beide halten zusammen.'
Wir kuscheln uns aneinander und fühlen uns stark wie nie." S. 50

Im letzten Schuljahr gerät plötzlich alles aus den Fugen. Freundschaften zerbrechen, aus Liebe wird Rachsucht, Geschwisterliebe gerät an ihre Grenzen und das Gefühl der Eifersucht überwältigt die jungen Menschen. Aus diesem Chaos flieht Nina nach Wien, wo sie in einer Bar zu arbeiten beginnt. Sie ist mit ihrem Leben soweit nicht unzufrieden, wenn auch permanent die Unruhe der damaligen Geschehnisse in ihr schlummert und ihren Alltag trübt. Als in ihrer Bar plötzlich ein junger Mann auftaucht, zu betrunken um sich auf den Beinen zu halten und ihr sein tiefstes Geheimnis verrät, muss Nina unbedingt zurückkehren und den Dingen auf den Grund gehen. Sie braucht Klarheit. Ohne diese kann sie nicht mehr weiterleben.

So geht's mir dabei: Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Ich fand es spannend. Für mich war es der reinste Page-turner. Ich mag auch gerne Geschichten, mit Rückblicken und Perspektivenwechseln. Hier werden die Kapitel in die Perspektiven der unterschiedlichen Personen unterteilt. Und dann noch in die unterschiedlichen Zeiten. Nina, Tobias und Ninas Vater Gregor kommen dabei abwechselnd zu Wort und erzählen von heute und damals und von noch viel früher. Das gewährt zusätzlich zu den Jugendlichen noch die Sicht der Eltern auf die Entwicklungen und die Ereignisse, die das Leben von allen so drastisch beeinflusst.

Aber: Es ist kein Thriller. Hier ist wirklich ein Fehler mit Folgen passiert. Denn Thriller-LeserInnen kommen nicht auf ihre Kosten und legen das Buch enttäuscht weg. Es ist nicht einmal wirklich ein Krimi. Für mich, als nicht Thriller oder Krimileserin ist es wirklich ein sehr spannender Roman. Meiner Meinung nicht unbedingt ein Jugendroman, aber einer über junge Erwachsene.

Die Schlüsselszene im Wald war für mich eher enttäuschend. Aber darüber will ich nichts verraten, da müsste ich spoilern.  Alles andere an dem Roman hat mir aber richtig gut gefallen und ich habe zu Zeiten gelesen, zu denen ich sonst nie lesen kann. :-D Ohne Rücksicht auf Verluste, denn ich war zu sehr eingetaucht in die Geschichte.

Geht's kurz und knapp? Es ist kein Thriller. Es ist ein spannender Roman über junge Erwachsene und als solcher hat er mir sehr gut gefallen.


Vielen Dank an den Emons Verlag für das Rezensionsexemplar.


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Tyrolia
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