Nächstes Jahr in Havanna

Cleeton, Chanel


Roman
Aus dem Amerikanischen
von Stefanie Fahrner

Heyne Verlag München, Juli 2019
ISBN: 978-3-453-42278-0



Darum geht's: Elisa und Marisol, Großmutter und Enkelin, zwei Frauen mit kubanischen Wurzeln, zwei Frauen mit herzzerreißenden Liebesgeschichten. Elisa hat die ersten 19 Jahre ihres Lebens auf Kuba gelebt. Als Tochter eines Plantagenbesitzers hat sie ein privilegiertes Leben geführt, sich wenig um Politik gekümmert, dafür viel um Partys, Schmuck und schöne Kleider. Schließlich lernt sie auf einer Party Pablo kennen, in den sie sich augenblicklich verliebt. Pablo kämpft als Revolutionär an der Seite von Che Guevara und Fidel Castro für den politischen Umbruch im Land. Niemand darf von der Verbindung zwischen Elisa und Pablo erfahren. Als Elisa und ihre Familie Kuba verlassen müssen, um im Exil in Amerika Fuß zu fassen, bedeutet das auch das Aus für die junge Liebe.

Marisol wurde mehr oder weniger von ihrer Großmutter Elisa aufgezogen. Als diese stirbt, übernimmt Marisol die Aufgabe, den Wunsch der Großmutter zu erfüllen und ihre Asche in Kuba zu verstreuen. Sie tritt die Reise in das Land an, aus dem ihre Familie einst vertrieben wurde und das so viele ungeahnte Geheimnisse lüftet. Über ihre Großmutter, über ihre Familie, über das Leben, das sie in Kuba hatten und letztlich auch über sie selbst.

"Meine Großmutter hat mir so viel über ihr Leben in Kuba erzählt, warum hat sie nie erwähnt, dass sie sich verliebt hatte? Was ist zwischen den beiden passiert? Wurden sie durch die Revolution getrennt? Vergaß sie ihn, als sie meinen Großvater kennenlernte?" (S. 155)
So geht's mir dabei: Ein Buch, das für mich perfekt in die Kategorie "Urlaubslektüre" passt. Die Sprache von Chanel Cleeton ist leicht und flüssig. Man darf sich von wundervollen Liebesgeschichten ins Reich der Fantasie tragen lassen. Außerdem lernt man durch das Buch ein Land kennen. Ich habe viel zu wenig über die politische Situation auf Kuba gewusst und das hat mich sehr interessiert. Und auch von der Kultur der Kubaner, von ihren Gepflogenheiten und ihrem Essen erfährt man viel. Ich mag es sehr gerne, wenn ich durch einen Roman so viel über ein Land lerne. Teilweise hätte man den Text bestimmt ein wenig kürzen können und trotzdem nichts vom Inhalt verloren. Aber abgesehen davon kann ich das Buch allen empfehlen, die sich gerne in ein fernes Land entführen lassen und noch dazu Liebes- und Familiengeschichten mögen.

"Einerseits bin ich Kubanerin, andererseits nicht. Ich weiß nicht, wie ich mich im ehemaligen Land meiner Großeltern einfügen soll, das ich wiedererschaffen möchte, obwohl es längst untergegangen ist.
Vielleicht sind wir ja die echten Träumer, diejenigen, die Hoffnung haben. Wir träumen von einem Kuba, das wir nicht sehen oder anfassen können, dessen Geschmack wir aber auf der Zunge spüren.
Die Exilanten sind die Historiker, die Hüter der Erinnerung an ein verlorenes Kuba, das beinahe vergessen ist." (S. 188)
Die Autorin hat in den Roman viel persönliches einfließen lassen. Sie ist in Florida aufgewachsen aber ihre Familie stammt ursprünglich aus Kuba. Man merkt, dass es ihr eine Herzensangelegenheit war, diese Geschichte zu erzählen.

Geht's kurz und knapp? Wer gerne mehr über Kuba erfahren will, ohne dabei Geschichtsbücher zu studieren, wird sich mit diesem Roman wohlfühlen....sofern keine Abneigung gegen Liebesgeschichten besteht. 😉

Vielen Dank an den Heyne-Verlag für das Rezensionsexemplar.

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