Es ist Sarah

Delabroy-Allard, Pauline


Roman
Aus dem Französischen von Sina de Malafosse

Frankfurter Verlagsanstalt, August 2019
ISBN: 978-3-627-00266-4



Darum geht's: Eine Liebesgeschichte, die kaum zu ertragen ist. Diese Liebe ist so tiefgehend, dass es den beiden Liebenden zunehmend schlechter geht damit. Die Erzählerin lernt Sarah an einem Silvesterabend kennen. Sarah ist so anders als sie selbst, missachtet Regeln, ist zu laut, zu stark geschminkt, zu präsent. Sie zieht einen zu sehr in ihren Bann. Aus anfänglicher Verachtung wird schnell reges Interesse an dieser Person. Und auch Sarah kann nicht umhin, die Erzählerin wieder treffen zu wollen, zu Rendezvous einzuladen, sich in sie zu verlieben, dem Verlangen, sie zu küssen, zu berühren nachzugeben.
Die beiden Frauen sind gleichermaßen überwältigt von ihren Gefühlen, ihrer Zuneigung zu einander. Ihre Gedanken drehen sich nur noch um die jeweils andere. Wenn sie getrennt sind, leiden beide in nie gekannter Art und Weise.

"Sie verabschiedet sich am nächsten Morgen von mir, an einer Straßenecke auf dem Weg zur Schule. Sie nickt mir zu und geht davon. Sie verabschiedet sich, ohne zu wissen, dass meine Hände zittern, dass sie den ganzen Tag nicht aufhören zu zittern, nicht glauben können, was sie getan, was sie berührt haben. Sie verabschiedet sich, ohne zu wissen, dass ich am Ende des Vormittags zum Arzt gehe, unfähig, noch weiter zu arbeiten, dass er mich für zwei Tage krankschreibt, dass ich unter meine Bettdecke flüchte, um in ihrem Duft zu schlafen, mitten am Tag." (S. 32)

Die tiefe Zuneigung zu einander überfordert die Frauen zunehmend. Es wird beinahe unerträglich. Das Zusammensein gleichermaßen wie der Gedanke, einer Trennung. Schließlich gibt es aber doch einen dramatischen Bruch.

"Auf einmal überkommt mich echte Freude. Ich denke nicht mehr an Sarah, nicht mehr an ihren (...) Körper, den ich bei meiner Flucht zurückgelassen habe, ich denke nicht mehr an mein Kind, an den Vater meines Kindes, an meine Eltern, meine Schüler, ich denke nur noch an dieses Auto, in das ich steigen werde, dieses fremde Auto, das von Fremden gesteuert wird und mich in eine mir fremde Stadt bringen wird. Ich fühle mich leicht, habe Lust zu lachen. Ich fühle Euphorie, es ist das Ende eines Abenteuers, der gesegnete Moment, wenn die Welt endlich aufhört, sich zu drehen." (S. 124)
So geht's mir dabei: Der Roman fühlt sich an, als würden ununterbrochen die tristen Klavierklänge von Piotr Miteska, Pour l'amour de toi, erklingen, während man durch ein nebelverhangenes Paris spaziert. Die Autorin beherrscht eine beinahe poetische Sprache und es gelingt ihr, dem Leser fühlbar zu vermitteln, was diese Liebe mit den beiden Frauen anstellt. Teilweise wird es langatmig und man möchte gerne aus der Geschichte raus. Ich vermute darin, die Genialität Delabroy-Allards, die den Leser nicht nur im Geiste mitnimmt auf diese Reise sondern auch spüren lässt, was die Protagonistinnen durchmachen. Die Geschichte ist teilweise schwer zu ertragen und ich war froh, als sie zu Ende war...nein...als ich sie ausgelesen hatte.
Es ist eine tragische Liebesgeschichte, die französischer nicht sein könnte. Der Schauplatz, Paris, passt hervorragend zu diesen beiden Romanfiguren, die sich ganz verlieren in ihrem Gefühl.
Meiner Meinung nach wäre es kein Fehler gewesen, wenn die Erzählerin kein Kind hätte, da einer Mutter unwillkürlich auffällt, dass viele Handlungen nicht möglich sind, wenn ein Kind da ist. Das störte mich immer wieder und ich stellte mir des öfteren die Frage, wo bei all den Geschehnissen denn die Tochter ist.

Geht's kurz und knapp? Die triste französische Liebesgeschichte zweier Frauen. Ein sprachgewaltiges Werk, teilweise sogar schon poetisch. Lest es, ich würde mich gern mit euch über dieses Buch austauschen.

Vielen Dank an die Frankfurter Verlagsanstalt für das Rezensionsexemplar.

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