Scheidung
Moa Herngren
Aus dem Schwedischen von Katharina Martl
Roman
Kein & Aber Verlag, 2024
ISBN: 978-3-0369-5032-7
400 S.
Kein & Aber Verlag, 2024
ISBN: 978-3-0369-5032-7
400 S.
Darum geht's: Bea ist sauer auf Niklas. Während sie alles organisiert, was den Familienalltag von ihr, ihrem Mann und ihren beiden Töchtern betrifft, hatte er nur die eine Aufgabe, Ticktes für die Fähre zu buchen, damit sie den Sommer wie jedes Jahr bei Niklas' Familie verbringen können. Doch das hat er versäumt, also können sie erst eine Woche später in die Ferien fahren, weshalb es zum Streit kommt. Doch anstatt sich zu entschuldigen und untröstlich zu sein, wie Bea es erwartet, verlässt Niklas die Wohnung und kommt nicht mehr zurück.
Seit 32 Jahren sind die beiden ein Paar und ein Leben ohne einander ist kaum vorstellbar. Zumindest nicht für Bea. Sie versteht nicht, was in Niklas vorgeht, als dieser plötzlich von Trennung und Scheidung spricht, kann nicht fassen, dass er sie und ihre beiden Teenager-Töchter im Stich lassen möchte. Sie schiebt es auf eine Midlife-Crisis, den Stress in seinem neuen Job und nimmt es nicht ganz ernst. Sie denkt und hofft, dass er wieder zur Besinnung kommt und es ihm längst leidtut.
Doch dann erfährt sie von der anderen Frau und muss langsam akzeptieren, dass Niklas nicht vorhat, zu seiner Familie zurückzukehren....was umso schwerer ist, als er nicht mit ihr darüber spricht.
"Plötzlich wird es so klar. Schwarz auf weiß. Er kann die Erwartungen hinter diesen kurzen Zeilen nicht erfüllen, kann weder Beas Liebe noch ihrem Zuhause noch ihrem gemeinsamen Leben gerecht werden. Er muss hier weg." S. 260
So geht's mir dabei: Dieses Buch habe ich in wenigen Tagen durchgesuchtet. Die Geschichte hat mich völlig eingenommen. Ich war ebenso fassungslos, verzweifelt und mitgenommen wie Bea, konnte mich gut in ihre Nervosität, das körperliche Unwohlsein, die zunehmende Unsicherheit und die Fassungslosigkeit hineinversetzten.
Moa Herngren ist wohl eine Meisterin darin, Familiengeschichten aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten, denn als wir Lesenden schließlich die Sicht von Niklas kennenlernen, wird vieles klarer, wir leiden auch mit ihm mit und verstehen ihn besser. Was im Endeffekt richtig ist und was nicht, wer Schuld an der Trennung hat und ob diese wirklich so überraschend kommt - all diese Fragen und noch viele mehr, können auch wir plötzlich nicht mehr eindeutig beantworten. Viele Situationen sind derart verzwickt, dass es auch den Lesenden unglaublich schwer fällt, sich für den richtigen Weg zu entscheiden.
Sprachlich ist das Buch wirklich gut. Moa Herngren versteht es, Lesende an die Buchseiten zu fesseln, was auch Katharina Martl mit ihrer grandiosen Übersetzung gelingt. Dass die Autorin eine Schwiegermutter in die Geschichte einbaut, die vor allem Bea daran erinnert, dass sie nicht in einer gleichberechtigten Beziehung lebt, fand ich interessant. Bea hat sich dennoch dafür entschieden, die Rollen klassisch aufzuteilen, was ich an manchen Stellen unnötig überzogen fand. (Ich weiß immer noch nicht, was es mit dieser Designerküche eigentlich auf sich hat...) Dass Niklas für seine Unzufriedenheit in erster Linie seine Frau, in zweiter seine Mutter verantwortlich macht, fand ich schade. Sein Vorwurf, sie hören ihm nie zu, ist für mich ungültig, da er einfach nie etwas sagt. Dass es eine neue Frau ist, die ihn schließlich "befreit", wäre meiner Meinung nach nicht notwendig gewesen. Hier hatte die Geschichte ihre Schwächen, die den Lesefluss allerdings nicht störten, aus feministischer Sicht aber besser verankert hätten werden können, um nicht zu viele Klischees zu bedienen.
Geht's kurz und knapp? Ein spannender Roman über das Ende einer Beziehung nach mehr als 30 Jahren, indem sich die Frage stellt, wer letztlich für das Glück verantwortlich ist. Für das eigene und jenes der anderen.
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Vielen Dank an den Kein & Aber Verlag für das Rezensionsexemplar.

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