Das Pen!smuseum
Fallwickl, Mareike
Reisinger, Eva
Mit Texten von: Jovana Reisinger, Sophia Süssmilch
Illustriert von Andrea Zapanta Scharf
leykam Verlag, 2025
ISBN: 978-3-7011-8355-5
204 S.
Darum geht's: Viele unterschiedliche Frauenfiguren erzählen in diesem Buch ihre Geschichten. Sie alle sind an einem Punkt, an dem sie sich nichts mehr gefallen lassen, an dem sie sich den Erwartungen der Gesellschaft nicht mehr beugen. Sie beginnen, neu und anders zu lieben, sie gestehen sich zu, wütend zu sein und zu hassen, sie hören auf zu funktionieren.
Die unterschiedlichen Geschichten sind erschütternd, aufrüttelnd, verstörend, witzig und noch so vieles mehr.
'"Weißt du, was geil wär?", sagt die Gabi und nimmt sich noch ein Stück Mohnstrudel. "Wir hängen die Bilder in ein Museum, alle Wände voll, und die Besucherinnen kriegen am Eingang einen Kübel mit Farbe. Oder Messer. Oder Scheren. Und dann..."Gabis Augen glänzen wirklich wild.'(S. 15)
Die Frauen der Geschichten haben genug von einer Welt, die sich nach den Bedürfnissen der Männer ausrichtet. Sie brechen Rollenklischees auf, sie beginnen Schönheitsideale abzulehnen, fangen an zu essen, hören auf, sich zu rasieren, lassen sich scheiden, gehen hochschwanger fremd, weil sie die eigenen Bedürfnisse ernst nehmen und rächen sich an Männern, die ihnen Gewalt angetan haben. Sie leben female rage und werden kreativ, um den Spieß umzudrehen.
So geht's mir dabei: Die 20 Kurzgeschichten von Mareike Fallwickl und Eva Reisinger, mit Texten von Jovana Reisinger und Sophia Süßmilch, stehen zwar alle für sich alleine, sind aber dennoch ineinander verwoben und am Ende entsteht das Bild einer Gruppe von Frauen, die Bande gebildet haben. Frauen, die für einander da sind, die sich stützen und unterstützen und die sich ohne Kompromiss aufeinander verlassen können.
Die Texte sind frech und rotzig, vulgär und radikal, erfrischend ehrlich und wütend, witzig und sarkastisch und ihnen allen liegt eine bittere Wahrheit zu Grunde, die wir den patriarchalen Machtstrukturen zu verdanken haben und unter der wir alle leiden. Frauen und Männer.
Menschen, die sich mit Feminismus beschäftigen, werden bei der Lektüre oft wissend und zustimmend nicken, anderen werden die Augen geöffnet und wieder andere werden das Buch als zu überspitzt ablehnen, weil die Thematik zu schmerzhaft ist. Fakt ist: Diese Geschichten machen was mit uns. Sie bewegen. Und ich wünschte, es würde sehr viel mehr über diese Themen gesprochen werden. Um das zu erreichen gibt es Bücher wie dieses und ich empfehle allen, danach zu greifen und sich für die Wahrheit, die dem zugrunde liegt, zu öffnen.
Das Hörbuch wird von Mareike und Eva gelesen und ich habe das Buch nicht nur gelesen, sondern mir auch von den beiden vorlesen lassen, was es noch besser macht. Die Lesung mit den beiden Schriftstellerinnen in der Tyrolia Buchhandlung in Innsbruck war außerdem ein absolutes Highlight.
Geht's kurz und knapp? Leichte Kost ist es keine, aber wer irgendetwas von den beiden Autorinnen weiß, erwartet das wohl auch nicht. Bücher wie dieses sind schwer zu verdauen, weil sie die Wahrheit aufzeigen und deshalb umso mehr weh tun. Gerade deshalb sind sie so außerordentlich wichtig. Leseempfehlung!
Wenn du über diesen Link bei der Tyrolia Buchhandlung bestellst, unterstützt du damit meinen Blog und natürlich den stationären Buchhandel. DANKE dafür.



Kommentare
Kommentar veröffentlichen