GYM

Kessler, Verena


Roman

Hanser Berlin, 2025
ISBN: 978-3-446-28163-9
192 S. 


Darum geht's:
Die namenlose Protagonistin bewirbt sich um den Tresen-Job im Mega GYM. Da sie selbst eher untrainiert ist und ihr Körper nicht den typischen Erwartungen an das Personal in einem Fitnessstudio entspricht, spricht der Inhaber, Ferhat, sie im Bewerbungsgespräch darauf an. Sie möchte die Arbeit unbedingt und so hört sie sich selbst sagen "Ich habe gerade erst entbunden". Eine Lüge, die natürlich niemand hinterfragt und da der Chef feierlich erklärt, er sei Feminist, sieht er es als sein Pflicht an, ihr diesen Job zu geben. Sie ist engagiert. 

Natürlich spricht sich herum, dass sie ein Baby hat. Chef Ferhat stellt ihr großzügigerweise sein Büro zum Abpumpen der Milch zur Verfügung, ständig wird sie nach dem Kleinen gefragt, soll Bilder zeigen und alle loben ihre Mutter, die das Baby beaufsichtigt, während sie arbeitet. Sie selbst vergisst oft, dass sie Mutter ist, was immer wieder zu kuriosen Situationen führt. 

Als Vick anfängt, im Studio zu trainieren, ändert sich die Atmosphäre im Roman. Langsam erfahren die Leser:innen von der Vorgeschichte, die die Protagonistin in ihre jetzige Situation gebracht hat. Parallel dazu verliert sie zunehmend die Kontrolle über ihr Leben als ständig trainierende Fitness-Center-Mitarbeiterin. 

"Man sah, wie viel ich trainierte. Alle Muskeln hatten mehr Kontur bekommen, die Schultern waren breiter, an den Oberarmen traten Bizeps und Trizeps deutlich hervor, ganz ohne Anspannen" S. 113
So geht's mir dabei: Okay....I didn't see THAT coming. Was ist denn das für eine Geschichte? Nach den ersten Seiten hatte ich mich auf einen humorigen Roman eingestellt. Zweifel daran hatte ich dann nur, weil mir alle möglichen Menschen sagten, dass das Buch noch einige Überraschungen bereit halten würde. Und wie recht sie hatten. 

Verena Kesslers Roman ist wirklich ein wilder Ritt. Die Story ist so originell, dass ich nicht glaube, jemals etwas Vergleichbares gelesen zu haben. Das Buch ist gleichzeitig urkomisch, beinhart, satirisch und nicht zuletzt wirklich berührend. Die Autorin wirft einen vernichtend scharfen Blick auf das Leistungsdenken unserer Gesellschaft und die Körperbilder, die wir alle manifestiert haben. Wie schnell aus Ehrgeiz Verbissenheit und aus Leidenschaft Suchtverhalten werden kann, wird hier ebenfalls eindrücklich dargestellt. 

Obwohl ich streckenweise wirklich angewidert war, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen, habe es quasi am Stück gelesen und feiere es wirklich sehr. Sprachlich top. Origineller Plot. Dünnes Buch. Besser geht's nicht. 

Geht's kurz und knapp? Ein grandioses Buch.  Lies es. 


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